Joey Kelly begeisterte sein Publikum im filmriss & AVU…Autokino

23. Juni 2020

Es hörte sich oftmals alles so einfach an: Ziel setzen, rausgehen und machen. Seinen eigenen Schweinehund überwinden, Marathon laufen, durch die Wüste rennen, in eisiger Kälte zum Südpol wandern, einmal ganz Deutschland durchqueren oder sogar mit einem alten VW-Bus T1 von Berlin nach Peking fahren. Dies alles geht, motivierte Joey Kelly im filmriss & AVU…Autokino, wenn man nur die richtige Einstellung hätte. „Man muss nur wollen, dann gibt es auch keinerlei Grenzen.“

Der Spross der bekannten Kelly Family war am Samstagabend zu Gast in Gevelsberg und ließ seine Besucher und Fans in einem unterhaltsamen und kurzweiligen Vortrag an seinem vielfältigen Erfahrungsschatz aus dem Leben als Straßen-musiker und Weltstar, als Privatmensch, Sohn und Bruder, als Unternehmer und als Ausdauersportler teilhaben. Und die Inhalte waren mit Sicherheit für einen jeden Zuhörer nach-denkenswert. Unter ihnen war auch eine 36-jährige Dame, die seit ihrer Kindheit ein absoluter Fan der Kelly Family ist und eigens für diese von ProCity Gevelsberg präsentierte Veranstaltung eine Anfahrt von 350 Km in Kauf nahm.

Von der Straße in große Hallen

Joey Kelly sprach über die Anfangszeiten der singenden Familie und ließ dazu exklusive Bilder über die Leinwand laufen. Ein ganz wichtiger Aspekt im Leben der Kellys, als sie auf der Straße oder Stadtfesten oftmals nur vor einem Zuhörer spielten, war Teamgeist – „wir haben nie an uns gezweifelt, weil wir alle einen gemeinsamen Traum und ein Ziel hatten“, erzählte der heute 47-jährige. Nur so sei letztendlich dann auch der große Durchbruch und kommerzielle Erfolg im Jahr 1994 – mit Veröffentlichung der CD „Over the Hump“ – nach einem Leben als Straßenmusiker möglich gewesen. Und der lang gehegte Traum, einmal in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle zu spielen, sei in Erfüllung gegangen. Von seinem Vater, der sehr streng aber visionär unterwegs war, hätte er für sich selbst das Motto „Gib mehr als du nimmst. Menschen die geben gewinnen” übernommen. Und diese Devise scheint auf seinen extremen Touren auch immer wieder aufzugehen.

Extremsportler mit Leib und Seele

Bislang absolvierte Joey Kelly über 50 Marathons, mehr als 30 Ultramarathons und neun Wüstenläufe. Beim „Race Across America“ durchquert er auf dem Fahrrad viermal die USA von der West- zur Ostküste. Und bis heute hält er mit acht IronMan-Triathlons innerhalb eines Jahres sogar den Rekord. Man merkte seinen Geschichten an, wie viel Ehrgeiz in ihm steckt.

Zum Sport kam er übrigens durch eine Wette mit seiner Schwester Patricia. Sie wollte an einem Triathlon teilnehmen. „Das kann ich auch“, war sich Joey Kelly damals ziemlich sicher und ging untrainiert in den Wettkampf. „Nie wieder, habe ich mir danach geschworen“, erinnerte sich der irischstäm-mige Unternehmer. Dass er ganz klein anfing, zeigten dann auch die dazu eingespielten Aufnahmen von damals: der junge Joey, der sich schon beim Schwimmen an einer Boje festklammern muss. „Aber ich hatte ein Ziel – und ein Jahr später schaffte ich den Triathlon in Roth.“ Der Sport wurde somit ein Ausgleich zum Job, rückte jedoch auch immer stärker in seinen Lebensmittelpunkt.

Eine seiner härtesten Aktionen war mit Sicherheit die Südpolexkursion mit Markus Lanz und seinem Team, im Dezember 2010: 400 Kilometer Kampf gegen extreme Minustemperaturen – bis zu -40°C, Hunger, Durst und Schlafmangel. Viel Teamgeist, optimale Vorbereitung und die gute Laune des letzten „Wetten., dass …?“-Moderators hätten das Team jedoch zusammengeschweißt, berichtete Joey Kelly.

Sein größtes Abenteuer war jedoch der Deutschlandlauf. In 17 Tagen und 23 Stunden durch-querte er im September 2010 die Bundesrepublik von Wilhelms-haven bis zur Zugspitze. Auf einem 900 Kilometer langen Fußmarsch, ohne Geld, ernährte er sich nur von dem, was die Natur ihm gab, und bewältigte täglich knapp 50 Kilometer. „Ausgegeben habe ich 9,24 Euro für eine Plane zum Schlafen“, sagte er. 2017 gab es sogar einen zweiten Deutschlandlauf in Warnemünde und diesmal legte er die Strecke zur Zugspitze sogar noch schneller, in 15 Tagen und 23 Stunden, zurück.
Für sein jüngstes Abenteuer brach Joey Kelly im Sommer letzten Jahres gemeinsam mit seinem Sohn Luke (19) zu einem besonderen Roadtrip auf: In einem alten VW-Bulli reisten die beiden ohne Geld für Benzin durch zehn Länder von Berlin nach Peking. Das Fahrzeug verströmte nach außen den Charme von Schrottplatz und Hippie-Generation. Innen war er vollgestopft mit Geschenken für die Menschen auf der Strecke wie Teddys, CDs und Büchern aus den alten Zeiten der Kelly-Family.

Seine Beschreibung der Fahrt über die Baltischen Staaten, St. Petersburg, Moskau, durch Kasach-stan, die Mongolei und schließlich durch China nach Peking war ein einziges Loblied auf die Freundlichkeit und die Gastfreundschaft der Menschen in diesen Ländern. Die beiden, so verriet der vierfache Vater, hätten auch schon das nächste Abenteuer ins Auge gefasst: Die Panamericana von Alaska bis Feuerland – auf die gleiche Weise und vielleicht auch wieder mit dem T1 von VW.

Appellierende Worte zum Abschluss

„Das ganze Leben ist ein Marathon“, sagte er abschlie-ßend und motivierte dadurch die Besu-cherinnen und Besu-cher, einfach doch mal Herausforder-ungen anzunehmen und ihre persönliche Komfortzone zu ver-lassen. Gerade in Zeiten von Corona sollte man sich be-wusst darüber sein, dass man es in Deutschland ehrt gut antreffe, schaue man sich nur mal andere Länder und deren Folgen mit dem Virus an. Allerdings dürfe man in dieser Zeit niemals vergessen, dass das Menschliche, die Familie und Freunde und ein friedliches Miteinander oberste Priorität haben müssen. „Es zählt jeder einzelne Mensch.“ Und was nutzt es, viel Geld zu besitzen oder Macht zu haben, wenn man am Ende seines Lebens dann doch alleine ist. „Wichtig ist es, das Virus zu eliminieren.“

Appellierende Worte die beim Publikum ankamen und die auch Bianca begeisterten. „Einfach irre was dieser Mann schon erlebt und gemacht hat. Eiserner Wille, Ehrgeiz und immer das Ziel vor Augen. Grenzerfahrungen mit sich selber eingehen. Es geht nicht darum der Beste, der Schnellste oder was auch immer zu sein“, sagte die Gevelsbergerin, nach der Veranstaltung und fuhr mit der Erkenntnis nach Hause, viel für sich selbst aus dieser Veranstaltung mitgenommen zu haben.

Ein Artikel von André Sicks; Fotos: André Sicks

https://city-anzeiger.blogspot.com/2020/06/ein-irrer-typ-der-keinerlei-grenzen.html